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Ärzteprotest
Der Protest
Der gestrige bundesweite Protesttag war bereits die vierte Demonstration
innerhalb von elf Monaten. Aufgerufen hatten mehrere Medizinerverbände,
die die "Allianz Deutscher Ärzteverbände" bilden. Mit dabei waren
Susanne Rother (Praxismanagerin aus Berlin) und Eckart Schlegel (Chirurg
aus Hannover).
Die Forderung
Die Ärzte fordern die Aufhebung der festen Budgetierung. Statt des
Punktesystems wollen sie eine angemessene Vergütung.
flo
Aus der
Berliner Morgenpost vom 23.
September 2006
Aufstand der Ärzte in Berlins City
12 000 Mediziner protestieren gegen die Gesundheitsreform
Von Florentine Anders
Mit einem Pfeifkonzert protestieren aufgebrachte Mediziner gegen die
geplante Gesundheitsreform
Ohrenbetäubender Lärm, verstopfte Straßen, lange Autostaus und ein Meer
aus weißen Kitteln dominierten gestern die Mitte Berlins. Aus dem
gesamten Bundesgebiet waren Ärzte und Arzthelfer mit vielen Bussen und
Sonderzügen angereist, um an der Großdemonstration vom Gendarmenmarkt
zum Alexanderplatz teilzunehmen. Vor allem die freischaffenden Ärzte
hatten unter dem Motto "Freiheit statt Sozialismus" zum Protest gegen
die geplante Gesundheitsreform gerufen. Auch in Berlin blieben
zahlreiche Praxen geschlossen.
Insgesamt schätzten die Veranstalter 12 000 Teilnehmer an der
Demonstration. Etwa 2000 von ihnen kamen aus der Hauptstadt, sagte
Wolfgang Mitlehner vom Bündnis der Kassenärzte, das mit zu dem nunmehr
vierten nationalen Protesttag aufgerufen hatte.
Die Wut der Mediziner richtet sich vor allem gegen die nur begrenzte
Honorierung ihrer Arbeit. Viele Leistungen würden gar nicht bezahlt. Und
dabei sei die Situation der Berliner Ärzte noch katastrophaler als die
der Kollegen in anderen Bundesländern, betont Mitlehner. Denn was der
Arzt für seine Leistung von den Kassen erstattet bekomme, richte sich
auch danach, was in der jeweiligen Region eingezahlt wird. "Der
Festpreis ist Irrsinn", sagte Kiefernchirurg Stephan Schlesinger. Seine
Praxis in Steglitz blieb geschlossen. Doch die Patienten hätten
Verständnis für den Streik, meinte der Arzt. Wenn sein Budget erschöpft
sei, könne er schließlich keine Kranken behandeln. Das Problem, unter
dem die Ärzte bereits seit Jahren leiden, werde durch die
Gesundheitsreform nicht gelöst, sondern verschärft, schimpfte der
Kiefernchirurg.
Eckart Schlegel war aus Hannover angereist, um in Berlin seinem Ärger
Luft zu machen. "Ich habe die Sorge, dass es die niedergelassenen Ärzte
bald nicht mehr gibt", sagte der Chirurg. Junge Ärzte würden kaum noch
eine eigene Praxis übernehmen wollen. Stattdessen würden sie in Kliniken
arbeiten oder ins Ausland gehen.
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Susanne Rother aus der ambulanten Chirurgie im Ärztehaus an der
Greifswalder Straße pflichtete ihm bei.
Sie ist Praxismanagerin - ein Berufszweig, den es noch nicht lange
gibt. Angesichts der komplizierten Abrechnungssysteme und des
enormen Verwaltungszwangs sei der Gesundheitsmanager jedoch fast
unabkömmlich. "Nur drei Termine mit demselben Patienten werden
bezahlt. Muss der Betroffene häufiger zur Kontrolle kommen, arbeitet
der Arzt gratis", führte Susanne Rother als Beispiel an. |
Der
Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, appellierte
lautstark an Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wagen Sie mehr Freiheit und
stampfen Sie die Reform ein." Die Ärzte seien nicht länger bereit, die
Unterfinanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung durch
unbezahlte Mehrarbeit im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro pro Jahr
zu kompensieren, sagte er, begleitet von einem Pfeifkonzert.
An dem Protest beteiligten sich auch Klinikärzte. Der Marburger Bund
unterstützte den Aufruf zur Demonstration ebenfalls. Erst am Nachmittag
löste sich der Protestzug der Mediziner auf.
Aus der
Berliner Morgenpost vom 23.
September 2006 |
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